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Der Kampf ums Holz
Der Kampf ums Holz | MDR FERNSEHENTIPP

Häuser aus Holz sind eine Antwort im Kampf gegen den Klimawandel. Bis zu 50 Prozent des schädlichen CO2 sparen sie im Vergleich zu Bauten aus mineralischen Stoffen ein! Ein enormer Gewinn. Und bereits jedes fünfte neu gebaute Ein- oder Zweifamilienhaus war aus Holz.

Wird dieser Trend durch die Preise gestoppt, gehören wir alle zu den Verlierern? „Echt“ auf Spurensuche im Kampf ums Holz.

„Als wir gekauft haben, war der Preis gegenüber dem Vorjahr bereits aufs Doppelte geklettert.“ Und ein Ende ist nicht abzusehen, es geht immer noch weiter hinauf. Häuslebauer, wie Denny und Franziska Weißgerber aus Roßleben in Thüringen, treibt das an ihre finanziellen Grenzen: Der Preis für Bauholz – in den letzten Monaten ist er geradezu explodiert.

Die Familie hatte sich für ein Holzhaus entschieden. „Es fühlt sich warm und gemütlich an, ganz natürlich.“

Andere Bauherren können sich diesen Traum derzeit überhaupt nicht mehr leisten. „Ich habe dieses Jahr zwei Kunden verloren, die bauen jetzt herkömmlich, mit Stein und Beton.“ sagt Zimmerer Sebastian Donner aus Claußnitz in Sachsen. Der Handwerksmeister fertigt sonst vier bis fünf Häuser jährlich aus Holz für seine Kunden.

Aber die Preisspirale bringt sein traditionsreiches Familienunternehmen dieses Jahr in Existenznot: „Wir haben kein Lager, um Holz zu bevorraten. Wir sind den aktuellen Preisen vollkommen ausgeliefert.“ Dazu kommt, dass der Handwerker auf viele Holzbaustoffe, wie zum Beispiel bestimmte Platten, wochenlang warten muss. Holz ist nicht nur teuer, sondern auch knapp.

Aber wer macht die Preise? Weshalb spielt der Baustoffmarkt verrückt? Wer ist Gewinner, wer Verlierer in diesem Kampf ums Holz?

Antworten sucht „Echt“-Moderator Sven Voss im Südharz bei Jörn Kimmich, Chef eines von Deutschlands größten Sägewerken. Hier laufen rund um die Uhr Maschinen, denn unzählige riesige Stapel mit Fichtenstämmen müssen verarbeitet werden. Von Holzmangel keine Spur.

Solch eine Situation ist auch für Kimmich neu: „Durch Corona und den Weltmarkt ist der Holzhandel komplett verändert worden, es gab eine starke Nachfrage.“ Nicht nur deutsche Häuslebauer, Bastler und Handwerker wollten Holz, auch in den USA und in China suchten Unternehmer nach guten Holzquellen. Im Südharz wurden sie fündig. Dadurch konnten Sägewerk und Holzlieferanten die Preise erhöhen. Dazu kommt, dass viele Waldbesitzer ihr Fichtenholz geradezu „verschenken“ müssen.

Unweit des Sägewerks beginnen die mystischen Wälder des Harzes. Seit Jahrhunderten werden hier Bäume für die Bauwirtschaft gefällt. Ist auch deren Preis gestiegen? Die Forstwirte Friederike und Joachim von Beyme bewirtschaften mit ihrem Familienunternehmen 500 Hektar Wald. Vor drei Jahren hat „Echt“ sie zum ersten Mal getroffen.

Seitdem kam es Schlag auf Schlag, inzwischen ist die Familie verzweifelt: „Uns sind Einnahmen für mindestens 20 Jahre eingebrochen!“ Mehrere Dürrejahre, verheerende Stürme und der Borkenkäfer haben den größten Teil ihrer Fichtenwälder vernichtet.

Derart viele Stämme mussten weggeschafft werden, dass die Preise abgestürzt sind. „Die Sägewerke kamen gar nicht hinterher. Ohne den chinesischen Markt wäre es nicht gegangen, wir waren froh, wenn das Holz abgeholt wurde. Aber das ist eine ökologische Katastrophe! Denn wir wollen ja nachhaltig wirtschaften. Doch so geht es nicht.“


Datum/Zeit
Datum - 27.10.2021
Uhrzeit - 21:15 - 21:45


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MDR Fernsehen
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