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Die Welt des Wassers – Kann Hydrokultur den Hunger stoppen?
Campus  Die Welt des Wassers – Kann Hydrokultur den Hunger stoppen? | ARD-alpha

An vielen Orten der Erde ist der Anbau von Lebensmitteln klimatisch bedingt schwierig oder durch Überbevölkerung, Klimawandel und Misswirtschaft schwierig geworden. Wissenschaftler, Bauern und Entwicklungshelfer versuchen mit Hilfe der Hydrokultur eine Anbaumethode zu etablieren, die in solchen Regionen Landwirtschaft (wieder) ermöglicht.

Im Flüchtlingslager bei Tinduf/Algerien hat es begonnen. Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts und lokale Bauern sammeln hier Erfahrungen, wie Hydrokultur als zukunftsweisende Methode die Wasserknappheit in der Wüstenregionen und in der Sahelzone und damit dringendsten Ernährungsprobleme lösen könnte. Es ist ein kleines landwirtschaftliches Wunder, von großer Bedeutung für die Sahrauis. Sie sind Flüchtlinge und leben in Lagern, nahe Tindouf, mitten in der Sahara, ganz im Südosten Algeriens. Hier bauen sie neuerdings eigenes Gras und bald auch Gemüse an, was hier bisher als unmöglich galt. Das Gemüse ist für die Menschen und das Gras ersetzt den Müll und das Altpapier von dem ihre Ziegen bisher leben mussten. Etwa 200.000 Sahrauis harren seit über 40 Jahren in den Lagern um Tinduf aus. Drei riesige Städte sind im Wüstensand entstanden. Viel zu viele Menschen auf zu engem Raum, die wenigsten mit Arbeit und alle abhängig von Lebensmittellieferungen. Taleb Brahim hat die Untätigkeit irgendwann nicht mehr ausgehalten. Er wollte Landwirt werden. Alle hielten ihn für verrückt aber Taleb Brahim hatte die Hydrokultur entdeckt.

Dabei wachsen die Pflanzen direkt im Wasser, dem Nährstoffe zugefügt werden. Das ist viel effizienter als die klassische Feldwirtschaft, denn es braucht verglichen damit nur 1/10 der Wassermenge. Die Hydrokultur selbst ist nicht neu, aber Taleb Brahim hat sie für seine Bedürfnisse angepasst und mit Hilfe des Innovation Accelerators des Welternährungsprogramms immer weiter verbessert. Diese „Akademie für Innovative Entwicklungshilfeprojekte“ hat die UN-Organisation 2017 in München gegründet. Das Budget kommt zum großen Teil vom Freistaat Bayern. Hier können sich NGOs aber auch Einzelpersonen wie Taleb Brahim bewerben und Unterstützung für innovative Projekten gegen den Welthunger erhalten. Die Hydrokultur-Landwirtschaft ist so erfolgreich, dass es nun mehr Bauern im Lager machen wollen. 50 Anlagen gibt es bereits, bis Ende des Jahres 2018 sollen es 200 werden und Taleb Brahim ist zu einem international gefragten Spezialisten geworden.

In einem Überseecontainer mit Solarzellen auf dem Dach, Klimaanlage und Wasserreinigungseinrichtung wachsen Pflanzen unter 100% kontrollierten Bedingungen, bei künstlichem Licht. Taleb Brahim und Marc Beckett, Doktorand am Fraunhofer Institut, testen eine Extrem-HighTech-Lösung:

Nina Schröder vom UN-Welternährungsprogramms in München plant weitere Einsatzmöglichkeiten dieser Methode. Zusammen mit dem MIT in Boston Daraus wurde nun der „Food Computer“ entwickelt. Das ist ein Minilabor mit dem z.B. unterschiedliche Pflanzen oder Dünger-Zusammensetzungen für die Hydrokultur getestet werden können. Mit Hilfe dieser Minilabore wollen sie die Anbaumethode den besonderen Bedingungen etwa in syrischen Flüchtlingslagern in Jordanien, im Sudan und im Tschad anpassen.

Die Aufmerksamkeit, die die Hydrokultur in den letzten Jahren erfahren hat, hat sogar Weltraumforscher beflügelt. Auf langen Flügen brauchen auch Astronauten frische Nahrung. An klassische Landwirtschaft ist in Raumschiffen nicht zu denken: Die Pflanzerde ist zu schwer und Wasser Mangelware. Die Stärken die die Hydrokultur in Wüstenregionen und der Sahelzone ausspielen kann, sind auch im Weltraum gefragt. Darum entwickeln Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt Hydrokulturanbaumethoden für Raumschiffe. Herausgekommen ist ein Gewächshauscontainer, der völlig autonom ist: Mit eigener Sauerstoff- bzw. CO2-Versorgung, Heizung, Lichtquellen, Energiemanagement und Wasserrecycling. Bevor so ein Labor aber in den Weltraum geschossen werden kann muss es erst einmal auf der Erde ausgiebig getestet werden. Dafür haben sich die Forscher die Antarktis ausgesucht, einen Ort, der sehr trocken und lebensfeindlich ist. Die erste Ernte sieht bereis vielversprechend aus.

Die halbstündigen Sendungen greifen Themen auf, die verstärkt unser alltägliches Leben prägen und verändern. Diese Entwicklungen sind besonders relevant für jüngere Zielgruppen. Ob neue Formen der Verbrechensbekämpfung, Roboterwelten, grundlegenden

Veränderungen im Arbeitsleben oder Fortschritte in der Konfliktforschung: Campus Doku blickt in die Zukunft und beleuchtet Zukunftsszenarien. Was wird sich weiter grundlegend verändern, wo entstehen Probleme, wo betreffen uns Fragestellungen schon heute und was wird hierzu erforscht?


Datum/Zeit
Datum - 07.06.2021
Uhrzeit - 22:45 - 23:15


Sender:
Alpha Fernsehen
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