Folge 310 Oh Tannenbaum – Das große Geschäft mit Weihnachte

Oh Tannenbaum – Das große Geschäft mit Weihnachten
Folge 310

Die georgischen Pflücker ernten die Zapfen in 20 bis 40 Meter Höhe. Ein gefährlicher Job. Weitere Fotos auf Anfrage. – Bild: NDR
Der Handel mit Weihnachtsbäumen ist ein knallhartes Geschäft: Etwa 30 Millionen Nadelbäume werden jedes Jahr in Deutschland verkauft, bis zu 25 Euro zahlen die Käufer für jeden Meter Tannentraum. Dafür haben sie auch hohe Ansprüche: Kerzengrade und saftig grün soll er sein, die Nadeln sollen nicht pieksen und kaum Nadeln verlieren. Fast 80 Prozent der Käufer entscheiden sich für eine Nordmanntanne. Die meisten davon werden aus Samen gezogen, die im Kaukasus gepflückt werden: in schwindelerregenden Höhen, unter schwierigen Bedingungen. Wie hoch ist der Preis für den perfekten Weihnachtsbaum? Einfach „wachsen“ dürfen die meisten Weihnachtsbäume schon lange nicht mehr: Die Top-Stop-Zange zwickt die Tannenspitze und verhindert, dass sie lang und kahl wird. Mit der Motorsäge werden Zweige in Form gebracht. Düngemittel und Pestizide sollen für Idealmaße sorgen. Trotzdem enden fast 40 Prozent aller Bäume als Ausschussware und zerkleinertes Grünzeug. Tannenbaum-Produzent Wolf-Oliver Graf von Baudissin aus Osdorf in Schleswig-Holstein versucht, die hohen Erwartungen seiner Kunden zu erfüllen. Er sagt, regional ist mein bio, und steckt viel Mühe und Liebe in seine Plantage: „Wenn dann eine Familie hier bei uns ihren Baum schlägt und in ihr Wohnzimmer stellt, ist das für mich ein tolles Gefühl.“ Frost und Schädlinge sind seine größten Feinde. Den Einsatz von Chemie versucht er dennoch so gering wie möglich zu halten. Doch das handhaben nicht alle so. Regelmäßig werden bei Untersuchungen auf Weihnachtsbäumen gesundheitsschädliche Pestizide nachgewiesen. Bei Biobauer Wolfgang Schnau aus Brebel in Schleswig-Holstein sind chemische Spritzmittel und Wachstumsbeschleuniger tabu. Dafür gibt es bei ihm auch nur wenige perfekte Bäume. Statt lästiges Unkraut unter den Bäumen kaputt zu spritzen, setzt er Schafe ein oder mäht selber. Schäden durch Insekten oder Pilze nimmt der Biolandwirt in Kauf. Nicht alle seine Bäume sehen daher aus wie gemalt. Und viel Geld kann er auch nicht mit ihnen verdienen. Bei der Weihnachtsbaumsorte unterscheiden sich Schnaus Bäume nur wenig von der konventionellen Konkurrenz. Auch auf dem Biofeld thront vor allem die unangefochtene Königin unter den Weihnachtsbäumen: die Nordmanntanne. Die Samen für ihre Zucht kaufen die meisten deutschen Tannenbaumproduzenten in Georgien. Wer die Ökonomie der Weihnachtsbäume verstehen will, muss also weit nach Osten fahren. Für viele Zapfenpflücker ist die Saatguternte eine der wenigen Einnahmequellen im ganzen Jahr. Dass der Job in 20 bis 40 Meter Höhe riskant ist, nehmen sie in Kauf. Unter welchen Bedingungen arbeiten die Pflücker und wie wird die Ernte in diesem Jahr ausfallen? Christiane Henningsen folgt der Spur der Weihnachtsbäume vom Kaukasus bis in Deutschlands Wohnzimmer. (Text: NDR)
Deutsche Erstausstrahlung: Mo 09.12.2019 NDR


Datum/Zeit
Datum - 09.12.2019
Uhrzeit - 22:00 - 22:45


Sender:
NDR Fernsehen
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