Kraftakt fürs Klima – Wege aus dem Notstand
Kraftakt fürs Klima – Wege aus dem Notstand3sat

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Der Ukrainekrieg machte eine Abkehr vom russischen Gas unumgänglich. Seitdem wächst der gesellschaftliche Rückhalt beim Plan der Bundesregierung, erneuerbare Energiequellen auszubauen.

Neue Ideen und Modelle zur dezentralen Energieversorgung entstehen überall im Land und stoßen in Geschäftsbereiche der großen Stromkonzerne vor. Haben sie eine Chance, sich zu entwickeln? Wie groß ist die Angst vor Veränderungen durch die Energiewende?

„Anpassungsprozesse fordern immer Verlierer und Gewinner, und die potenziellen Verlierer wehren sich immer“, sagt Katja Gentinetta, politische Philosophin aus der Schweiz.

Der Philosoph Markus Gabriel mahnt die moralischen Werte beim Erwirtschaften von Gewinnen an. Er meint, diese seien ein Urversprechen der modernen Wirtschaft. „Und das Versprechen jetzt wieder einzulösen, ist, glaube ich, möglich und kann dazu führen, dass diese Energiewende nicht bloß, ja sozusagen zu einer Deindustrialisierung oder gar zum Verlust lauter Arbeitsplätze führt, sondern vielleicht sogar zu einer neuen Form der Zufriedenheit. Wie viel Profit brauchen ein Individuum und eine Gesellschaft? Und wenn wir uns diese Frage stellen, dann können wir, glaube ich, Dinge wieder verkoppeln, die in der Industrialisierung entkoppelt wurden. Das nenne ich die ’neue Aufklärung‘.“

Die Menschen aber bremsen notwendige Veränderungen womöglich selbst. Armin Grunwald, Berater des Bundestags für Technikfolgen und Mitglied des Ethikrats, sieht eine „Pfad-Abhängigkeit“ im Umgang mit Technologien und Infrastrukturen. Beispielsweise könnte die persönliche Gewohnheit der Menschen, stets vollen Zugriff und Kontrolle auf Elektrogeräte oder automobiles Fahren zu haben, Entwicklungen infrage stellen.

Die großen Übertragungsnetzbetreiber arbeiten bereits an weitreichenden Anpassungen der Stromnetze. Tim Meyerjürgens von TenneT, einem der größten Netzbetreiber in Deutschland, nennt Beeinträchtigungen, die bereits durch die Ausschläge des Klimawandels auf die Energieversorgung und damit die Netzstabilität wirken – wie zum Beispiel Überflutungen und Trockenzeiten. Hinzu kommt, dass die erneuerbaren Energien immer vom Gebot von Wind und Sonne abhängen. Im Auftrag der Bundesregierung sind erneut Stresstests durchgeführt worden, um die Belastungsgrenze und Stabilität des Netzes zu erkunden.

Mit der Erkenntnis, dass die Zukunft der Energieversorgung anstelle weniger großer Kraftwerke eine größere Anzahl an kleineren Erzeugern bringt, kommen auch mehr und mehr regionale Netze ins Spiel. Ohne fossile Brennstoffe wird es in den Städten bald keine Kraftwerke mehr geben. „In Zukunft wird das Kraftwerk der Städte draußen auf dem Land stehen“, sagt Tim Meyerjürgens.

In der brandenburgischen Ortschaft Feldheim werden Strom und Wärme autark, also unabhängig von der sonst verpflichtenden Energieversorgung, produziert. Die Feldheimer haben sich etwas erkämpft, was sonst eigentlich nicht möglich ist. Regionale Netze sind nur als Zulieferer für das bundesweite Stromversorgungsnetz zugelassen. Ihr Strom muss per Gesetz an die Börse gehen, wo sich dann jeder einkaufen darf. Der Börsenpreis des Stroms richtet sich unter anderem nach der Merit-Order, dem Preis der teuersten Stromquelle. Ein Paradox für die Solar- und Windenergie, denn sie sind die günstigsten Stromproduzenten und versorgen Deutschland zu bereits über 50 Prozent mit Energie. Dennoch zahlen die deutschen Stromkunden – außer den Feldheimern – den um ein Vielfaches

Film von Roland May; Erstausstrahlung

Dokumentation


Datum/Zeit
Datum - 18.01.2023
Uhrzeit - 20:15 - 21:00


Sender:
3SAT Fernsehen
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