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Unser Spargel

Unser Spargel

Folge 261 (45 Min.)

Einst war Spargel eine teure Delikatesse, heute ist er fast für jedermann erschwinglich. Kein Gemüse in Deutschland hat mehr Anbaufläche. Doch der Spargel-Boom hat auch Folgen: Der Spargel wächst vielfach unter Plastikfolie. Für Vögel ist es schwieriger, Nahrung zu finden, denn Insekten sterben aus. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Spargelanbau unter Folie und dem Aussterben von Vogelarten? Ein aktuelles Gutachten im Auftrag der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg stellt fest, dass das Flächen- und Nahrungsangebot für die untersuchten Vogelarten „drastisch zurückgegangen“ ist. Es gibt weniger Rot- und Schwarzmilane, weniger Rohrweiher. Bei Singvögeln ein ähnliches Bild. Grund dafür, da sind sich die Studienerfasser sicher, sei auch „die großflächige Expansion der Spargelanbauflächen“. Doch der Folienanbau ist unter Spargelbauern längst etabliert. Rund 95 Prozent wird nach dieser Methode aufgezogen. Das Anbaugebiet von Peter Strampe im niedersächsischen Neetze ist 70 Hektar groß. Der Spargelbauer sieht vor allem Vorteile durch die Foliennutzung. Er könne so bis zu drei Wochen früher ernten. Die Folie ermöglicht es, die Temperatur zu regulieren. Außerdem gäbe es dadurch kaum Unkraut, der Boden bleibe feucht und der Spargel vertrockne nicht so leicht. Auch die Optik der Spargelstangen spielt eine Rolle, kerzengerade sollen sie sein und strahlend weiß. Auch aus diesen Gründen muss Spargel unter Folie wachsen, mit Schutz vor Sonne. Die Deutschen lieben den Spargel leicht süß und dezent bitter, sagt Pierre Lavrijsen, Spargelzüchter bei der niederländischen Firma Limgroup. Am Geschmack, aber auch am Ertrag der Pflanzen wird in Heeze gefeilt. 40 Mitarbeiter beschäftigen sich mit neuen Züchtungen für alle Klimazonen der Welt. Exportiert wird nach Griechenland oder Peru, aber vor allem nach Deutschland. Doch es gibt auch Betriebe, die keinen Geschmack von der Stange für ihren Spargel wollen. Auf dem Hof von Kirstin Schulze in Havelsee gibt es noch die alten Sorten Epos und Helios, die es nur noch selten auf Wochenmärkten zu kaufen gibt. Der Grund für das Aussterben dieser Spargelsorten: Sie bringen nur rund ein Drittel des Ertrags konventioneller Sorten, wachsen auch mal krumm, man kann sie erst spät in der Saison ernten. Der Biobäuerin ist das egal. Sie baut auf „nur“ zehn Hektar Fläche an, verzichtet auf Folie und verkauft nur ab Hof. Der Trend beim Spargel geht dagegen Richtung Expansion. Seit Jahren werden die Anbauflächen kontinuierlich vergrößert. In den vergangenen 15 Jahren stieg die Erntemenge durchschnittlich um vier Prozent pro Jahr. Rund 117.000 Tonnen Spargel wurden 2017 deutschlandweit geerntet. Deutschland ist damit das größte Erzeugerland von Spargel in Europa, liegt weltweit jedoch nur auf Platz vier hinter dem weltweit größten Erzeuger China, dahinter folgen Peru und Mexiko. (Text: NDR)

Deutsche ErstausstrahlungMo 14.05.2018NDR


Datum/Zeit
Datum - 08.05.2021
Uhrzeit - 14:05 - 14:50


Sender:
RBB Fernsehen
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